Was sind Pflegeeinrichtungen?
Der Begriff „établissement médico-social” (medizinisch-soziale Einrichtung) ist eine Verwaltungskategorie aus Frankreich. Er ist eine Erläuterung wert, denn Sie könnten ihm begegnen, wenn Sie sich mit der Pflege in einem französischsprachigen Land wie Tunesien befassen. Er lässt sich nicht exakt auf das deutsche System übertragen, das eigene Kategorien und eigene Aufsichtsbehörden kennt, doch der Grundgedanke wird deutschen Lesern vertraut sein: Er beschreibt eine Einrichtung, die gesundheitliche Pflege mit sozialer Unterstützung für Menschen in einer schwierigen Lebenslage verbindet.
Nach dieser französischen Definition bieten diese Einrichtungen Leistungen und Unterstützung, die auf Menschen mit besonderem Bedarf zugeschnitten sind, etwa ältere Menschen, Menschen mit Behinderung oder Menschen mit einer chronischen Erkrankung. Eine medizinisch-soziale Einrichtung ist zugleich ein Ort zum Wohnen und ein Ort der Versorgung, mit dem Ziel, das Wohlergehen und die Lebensqualität der Bewohner zu schützen. Sie kann viele Formen annehmen, darunter Pflegeheime, betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderung, Rehabilitationszentren und Spezialeinheiten.
Ihr Hauptzweck besteht darin, den aufgenommenen Menschen eine abgestimmte, persönliche Unterstützung zu bieten. Sie wollen die körperlichen, psychischen und sozialen Bedürfnisse der Bewohner durch multidisziplinäre Teams erfüllen, zu denen unter anderem Ärzte, Pflegefachkräfte, Psychologen, Ergotherapeuten, Betreuungskräfte und Pflegehelfer gehören können.
Das Leistungsspektrum richtet sich nach dem individuellen Bedarf jeder Person. Es kann medizinische Versorgung, therapeutische Aktivitäten, pädagogische Unterstützung, Hilfe im Alltag sowie Aktivitäten und Ausflüge umfassen, die die Menschen sozial eingebunden halten.
Das oberste Ziel besteht darin, die Selbstständigkeit und die soziale Teilhabe der Bewohner durch ein sicheres, fürsorgliches Umfeld zu fördern. Diese Einrichtungen wollen die Würde und die Rechte der von ihnen betreuten Menschen schützen und sie aktiv an Entscheidungen über ihre Versorgung und ihren Alltag beteiligen.
Sie arbeiten außerdem eng mit anderen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesens zusammen, etwa mit Krankenhäusern, Sozialdiensten, niedergelassenen Ärzten, Fachorganisationen und den Familien der Bewohner. Dieses abgestimmte Zusammenwirken trägt zur Kontinuität der Versorgung bei.
Kurz gesagt spielt eine medizinisch-soziale Einrichtung, innerhalb des französischen Systems, zu dem sie gehört, eine wesentliche Rolle bei der Betreuung von Menschen in einer schwierigen Lebenslage. Ihr ganzheitlicher, persönlicher und kooperativer Ansatz hilft den Bewohnern, ihre Selbstständigkeit zu bewahren und unter bestmöglichen Bedingungen zu leben. In Deutschland werden dieselben Bedürfnisse über das Sozialrecht gedeckt, unter anderem im Rahmen der Pflegeversicherung und der Eingliederungshilfe, mit eigenen Einrichtungen, Standards und Prüfstellen.